SEITE TEILEN AUF

Der Drei-Länder-Vergleich zeigt, dass junge Schweizer:innen am zufriedensten sind, verglichen mit Gleichaltrigen aus Deutschland und Österreich. Doch das ist nicht der einzige Unterschied, den Simon Schnetzer im Vergleich der drei aktuellen Studien Junge Deutsche / Österreicher:innen / Schweizer*innen 2021 herausgefunden hat. „Ich hätte nicht erwartet, dass sich die Jugendlichen und jungen Erwachsenen im selben Sprachraum so stark unterscheiden.“, resümiert der Studienautor Simon Schnetzer.

Im März und April 2021 hatte der Jugendforscher Simon Schnetzer die Studie „Junge Deutsche 2021“ veröffentlicht und in Kooperation mit dem Personalberater Heinz Herczeg „Junge Österreicher:innen 2021“ sowie mit der jim & jim AG die Studie „Junge Schweizer:innen 2021“ durchgeführt. Die Studien zeigen, wie sich die Lebens- und Arbeitswelten junger Menschen im deutschsprachigen Raum durch die Corona-Pandemie verändern und welche Erwartungen sie an Arbeitgeber, Politik und an die Zukunft haben. Weil für sie so vieles auf Stillstand steht, werden sie auch als „Generation Reset“ bezeichnet. 


Charakterisierung der Generation Z im Drei-Länder-Vergleich

Die jungen Deutschen der Generation Z sind Pessimisten. Im Vergleich zu ihren Nachbarn geht es ihnen im Leben schlechter. Sie sind unzufriedener mit ihrer finanziellen Lage, verspüren einen höheren Leistungsdruck und machen sich mehr Sorgen um ihre Zukunft. 

Dagegen sind die jungen Schweizer:innen der Generation Z im Vergleich regelrecht Optimist:innen. Sie sind am zufriedensten mit ihrem Leben. Werte haben für Schweizer:innen eine besonders hohe Bedeutung. Und wenn es ums Arbeiten geht, verhalten sie sich wie eine Schweizer Uhr: die Arbeit soll pünktlich enden, damit genug Freizeit bleibt. Die Work-Life-Balance ist ihnen besonders wichtig. 

Junge Österreicher:innen der Generation Z bilden im Vergleich zu Deutschen und Schweizer:innen das Mittelfeld. Sie sind nicht so zufrieden wie die Schweizer:innen, aber auch nicht so unzufrieden wie die Deutschen. Für Österreicher:innen hat Karriere einen kleineren Stellenwert als für ihre Nachbarn, aber sie wollen besonders gut bezahlt werden. Für gute Arbeit motiviert sie vor allem ein hohes Einkommen.


Zufriedenheit: Die Generation Z ist glücklicher in der Schweiz

Die Zufriedenheit der Generation Z in Deutschland, Österreich und der Schweiz unterscheidet sich deutlich. So geben 83% der Schweizer:innen an, alles in allem mit ihrem Leben zufrieden zu sein. In Österreich sind es 73% und in Deutschland 69%. Somit sind im Drei-Länder-Vergleich die Schweizer:innen der Generation Z die zufriedensten. 

Grafik - Zufrieden im Leben - Studien 2021 Vergleich DACH - Wo ist die Generation Z am glücklichsten?

Auch in Hinblick auf die Zukunft, sind Schweizer:innen eindeutig zufriedener als die Nachbarn. Auf die Frage, wie zufrieden die Generation Z mit den Aussichten für die Zukunft ist, gaben 83% der befragten Schweizer:innen an, zufrieden zu sein. Mit großem Abstand folgen Österreich (62%) und Deutschland (61%). Junge Schweizer:innen der Generation Z blicken also wesentlich optimistischer in die Zukunft. 

Im Vergleich lässt sich ebenfalls feststellen, dass junge Deutsche der Generation Z unzufriedener mit ihrer finanziellen Lage sind. 34% der Befragten in Deutschland gaben an, unzufrieden mit ihrer finanziellen Situation zu sein. In Österreich sind es 28% und in der Schweiz 21%.


Einflüsse auf die Lebenssituation: Das Smartphone und die Familie

Den größten Einfluss auf die Generation Z hat die Smartphone-Nutzung in Deutschland mit 76% und in Österreich mit 72%. Die Bedeutung wächst seit Jahren und war noch nie so hoch wie jetzt. Die Schweizer:innen der Generation Z prägt der Zusammenhalt in der Familie mit 76% am meisten. Familie gibt jungen Menschen Rückhalt und Struktur, was besonders in diesen Zeiten sehr wichtig ist.  


Die Schweizer:innen der Generation Z sind gelassener

Der Leistungsdruck hat im Drei-Länder-Vergleich in Deutschland mit 63% den größten Einfluss auf die Lebenssituation junger Menschen der Generation Z. In Österreich und in der Schweiz gaben jeweils 55% der Befragten an, dass Leistungsdruck einen (sehr oder eher) großen Einfluss auf die Lebenssituation hat. Leistungsdruck führt dazu, dass junge Menschen denken, sie seien nicht gut genug. Sie fühlen sich gelähmt und ausgebremst, was zu starken Selbstzweifeln führen kann. Damit kann auch die Unzufriedenheit im Leben wachsen. Dies spiegelt sich in der Auswertung der allgemeinen Zufriedenheit, in der Deutsche im Vergleich zu ihren Nachbarn am unzufriedensten waren. Des Weiteren spielt Angst vor der Zukunft für junge Deutsche (46%) und Österreicher:innen (43%) eine deutlich höhere Rolle als für Schweizer:innen (32%) der Generation Z.

Der Vergleich der Punkte macht deutlich, dass junge Schweizer:innen dem Leben gelassener gegenüber stehen als die Generation Z in Deutschland und in Österreich – Zukunftsängste spielen für sie eine deutlich geringere Rolle im Leben.


Werte: Ihre hohe Bedeutung für Schweizer:innen

Gesundheit ist der wichtigste Wert für junge Schweizer:innen (80%) und Österreicher:innen (75%) der Generation Z. Dagegen ist der Wert Vertrauen für junge Deutsche (65%) am wichtigsten. Dennoch geben junge Schweizer:innen (79%) und junge Österreicher:innen (72%) dem Wert „Vertrauen“ eine höhere Bedeutung als Deutsche. Werte spielen für junge Schweizer:innen und Österreicher:innen grundsätzlich eine größere Rolle im Leben. Schweizer Studienteilnehmer:innen stuften Werte grundsätzlich wesentlich wichtiger ein als Befragte in Österreich oder Deutschland.


Das motiviert junge Leute für gute Leistung

Für gute Leistung motiviert die Generation Z in Österreich vor allem Geld. Das gaben 37% der befragten Österreicher:innen an. Für junge Deutsche ist Spaß mit 44% der größte Motivator für gute Leistung, genau wie für junge Schweizer:innen (41%). Spaß steht in der Regel für eine angenehme Arbeitsatmosphäre, abwechslungsreiche Aufgaben und einen wertschätzenden Umgang. 

Gute Arbeit zu leisten motiviert vor allem junge Schweizer:innen (27%). Nur 22% der jungen Österreicher:innen und 18% der Deutschen motiviert es, gute Arbeit leisten zu wollen. Im Motivationsranking hat insbesondere der Aspekt Karriere einen sehr unterschiedlichen Stellenwert für die Generation Z in Deutschland, Österreich und der Schweiz: 28% der jungen Schweizer:innen motiviert Karriere für gute Leistung, in Deutschland sind es 20% und in Österreicher nur 17% der Generation Z. 


Berufliche Tätigkeit: Österreicher:innen ist ein hohes Einkommen am wichtigsten

Für Österreicher:innen ist ein hohes Einkommen ein wichtiger Aspekt, der gute Arbeit ausmacht. 38% der befragten Österreicher:innen geben an, dass ein hohes Einkommen für gute Arbeit wichtig sei, in Deutschland sind es 34% und in der Schweiz spielt es eine wesentlich unwichtigere Rolle (16%). 

Jungen Schweizer:innen ist dagegen die Balance von Arbeit und Freizeit (66%) für ihre (zukünftige) berufliche Tätigkeit besonders wichtig. In Österreich stimmten dem Aspekt 52% zu und in Deutschland 49%. Für junge Menschen der Generation Z spielt die Möglichkeit ihre lebensphasen-spezifischen Bedürfnisse auszuleben und einfach mal abschalten zu können eine wichtige Rolle. In der Schweiz sind die Jungen darauf besonders bedacht. 


Die Suche nach Jobs

Einen weiteren interessanten Unterschied bietet die Suche nach Arbeitgebern. In Deutschland ist für die Generation Z ein Praktikum (53%) der verbreitetste Weg, um einen passenden Job beziehungsweise einen Arbeitgeber zu finden. In Österreich stehen Praktika nur auf dem fünften Platz mit 40%. Junge Schweizer:innen suchen mit 68% am häufigsten einen Job über Job-Portale. Auch in Österreich bezeichnen die Jungen Job-Portale (54%) als den populärsten Weg. In Deutschland befindet sich die Suche nach Arbeitgebern über Job-Portale mit 38% auf dem vierten Platz. Auf Job-Empfehlungen von Freunden und Bekannten hören junge Leute der Generation Z häufiger als auf Empfehlungen aus der Familie. 


Fazit

Wir beobachten erhebliche Unterschiede zwischen Deutschland, Österreich und der Schweiz, obwohl die Jugendlichen derselben Altersgruppe angehören und dieselbe Sprache sprechen. Große Trends wie Digitalisierung, Klimawandel und die Auswirkungen der Corona-Pandemie treffen die Jungen in ähnlicher Weise. Es bleibt spannend, zu beobachten, wie unterschiedlich sich die deutschsprachige Jugend entwickelt. Und wer hätte gedacht, dass die Schweizer im Vergleich zu Deutschland und Österreich die glücklichsten sind? 

Gastbeitrag von Victoria Krumbeck

Ich bin Victoria Krumbeck, studiere Politikwissenschaft und arbeite aktuell bei Ulrike Propach Kommunikationsmanagement als wissenschaftliche Mitarbeiterin. Als Teil der Generation Z war es für mich sehr interessant zu sehen, wie sich meine Generation sieht. Mich hat an der Arbeit mit den Studien vor allem überrascht, dass die Schweizer:innen im Vergleich glücklicher sind als die Deutschen und Österreicher:innen. 

Ich hätte nicht gedacht, dass der Leistungsdruck in Deutschland so viel höher ist als in Österreich und in der Schweiz. Die Frage, woran das liegt, hat mich sehr beschäftigt. Es ist faszinierend zu sehen, wie sich die gleiche Generation in den drei Ländern, die doch sehr viel gemeinsam haben, unterscheiden. 

Anmerkung:
Ulrike Propach Kommunikationsmanagement betreut Simon Schnetzer bei der Öffentlichkeitsarbeit.
Weitere Informationen: www.propach.biz