Eine neue Studie des Soziologen Martin Schröder legt nahe, dass die Begriffe Generation Y und Z abgeschafft gehören, weil es keine Unterschiede zwischen den Generationen gibt? Ein Einspruch des Jugendforschers Simon Schnetzer

Der Marburger Soziologe Prof. Dr. Martin Schröder hat herausgefunden, dass sich die Einstellungen der verschiedenen Geburtenjahrgänge (häufig als Generation X, Y und Z bezeichnet) nicht unterscheiden. Er kommt zu der Schlussfolgerung, dass ein Generationenbegriff nicht angebracht ist und viele Zuschreibungen der X, Y, Z Literatur methodisch eher Horoskopen als wissenschaftlichen Erkenntnissen gleichen.

Martin Schröder Bild-Uni-Marburg

Professor Dr. Martin Schröder (Foto: Uni Marburg)

Überprüfung der Thesen von Prof. Martin Schröder

  • Korrekt: Einstellungen sind generationenunabhängig Einstellungen und Werte sind konstant über die Generationen und unterscheiden sich eher nach sozialen Merkmalen.
  • Korrekt: Junge ticken anders als Ältere - immer schon Die Grundbedürfnisse von Menschen sind konstant, doch ihre Ausprägung verändert sich mit den Lebensphasen.
  • Falsch: Es gibt keine Unterschiede zwischen Generationen Doch es gibt sie, weil das Sozialverhalten maßgeblich von gesellschaftlichen Veränderungen geprägt wird.

Gibt es Unterschiede zwischen den Generationen X, Y und Z?

Ja, weil das wesentliche Merkmal einer Generation in der Soziologie die „Gesellschaftliche Prägung“ ist und nicht die “Einstellung”. Veränderungen in der Gesellschaftlichen Prägung beobachte ich als Jugendforscher in den folgenden Bereichen besonders deutlich:

  • Erziehungsverhalten
  • Rollenverständnis von Eltern
  • Geschwindigkeit von Kommunikation und Feedback
  • Verfügbare Möglichkeiten
  • Einfluss von Technologie
  • Mobilität

Die Veränderungen betreffen alle Generationen, aber sie prägen unterschiedlich. Ein Jugendlicher, der es gewohnt ist, auf ein Social Media-Posting sofort eine Rückmeldung zu bekommen, ist im Beruf total verunsichert, wenn er kein Feedback bekommt. Auch ältere Kollegen freuen sich über Feedback, aber sie sind häufiges Feedback in der Regel nicht gewohnt und können daher besser damit umgehen. Die Einstellungen unterscheiden sich kaum. Das Verhalten ändert sich wesentlich, geprägt durch veränderte gesellschaftliche Prägung.  

Brauchen wir die Begriffe: Generation Y und Generation Z?

Populär wurden die Begriffe durch die Medien. Und es ist wichtig, dass es sie gibt, weil sie einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dass wir über die Zukunft der Gesellschaft diskutieren. An dieser Diskussion sind viel mehr Menschen beteiligt, seit die Medien die Begriffe X, Y und Z adoptiert haben. Dadurch herrscht relative Klarheit, über wen man spricht und mit welchem Schlagwort man sich an der Diskussion beteiligen kann.

Da Autoren und Forscher nur mit neuen Erkenntnissen wahrgenommen werden, werden den Generationen mittlerweile zahlreiche Eigenschaften zugeschrieben, die an den Haaren herbeigezogen und wissenschaftlich nicht fundiert sind. Das ist Populismus und Humbug. In diesem Punkt gebe ich Prof. Schröder vollkommen recht.

Mein Fazit und Tipp für Prof. Schröder

Lassen Sie uns nicht die Generationenbegriffe abschaffen sondern Qualitätskontrolle betreiben und fragen: Was unterscheidet verschiedene Generationen wirklich? Da die Daten des SOEP anscheinend nur zulassen die Einstellungen zu untersuchen, empfehle ich Prof. Martin Schröder ins Feld zu gehen und seine Thesen in Interviews und Workshops zu überprüfen. Zum Beispiel im Rahmen der neuen Studie “Junge Deutsche 2019” :).