Am 1. Dezember präsentierte Simon Schnetzer im Scoutopia, der Zukunfts- und Ideenwerkstatt in Siegen einen Impulsvortrag und Kreativworkshop zum Thema „Braucht eine Stadt Coworking?“. Die Erfahrungen aus der Gründervilla in Kempten stellten eine wertvolle Grundlage für die Diskussion darüber dar, ob Siegen ein Coworking-Angebot benötigt und wie das Angebot konkret aussehen könnte. 

Wie haben Thomas Herzhoff und Simon Schnetzer es geschafft, in einer kleinen Stadt wie Kempten innerhalb von kurzer Zeit ein tragfähiges Coworking-Angebot aufzubauen? Mit welchem Ansatz die beiden das Geschäftsmodell entwickelt und erfolgreich umgesetzt haben, berichtet Simon Schnetzer in Vorträgen und Workshops. Im Scoutopia in Siegen war die zentrale Fragestellung des Abends: Braucht Siegen Coworking?

Die Antwort auf diese Frage ist nicht ganz einfach zu geben. Die Bürger/innen von Siegen wissen vermutlich noch nicht, dass Sie Coworking brauchen. Die Stadt und die Wirtschaft sollten bereits in diese Form des flexiblen und vernetzenden Zusammenarbeitens investieren, da es künftig einen Standortvorteil sein wird bei der Ansiedlung von Unternehmen und Unternehmer/innen. Das Konzept von Coworking ist jenseits der Metropolen und Digitalnomaden-Hotspots noch nicht besonders bekannt und verbreitet. Eine geeignete Strategie sollte daher Coworking-Angebote anbieten, sich aber finanziell nicht davon abhängig machen. Langfristig sehen die Betreiber der Gründervilla großes Potenzial in der Gründerszene und z.B. bei Leuten, die im Homeoffice arbeiten und an ein, zwei Tagen die Woche in Gesellschaft arbeiten wollen.

Der Beitrag von Coworking für eine Gründerregion?

Angebote wie Coworking-Arbeitsplätze und Barcamps können die Voraussetzungen zum Gründen jenseits der deutschen Gründermetropolen Berlin oder München erheblich verbessern. In seinem Impulsvortrag beleuchtet Simon Schnetzer die Erfolgsfaktoren der Gründervilla in Kempten: Wie innerhalb von zwei Jahren aus einer Barcamp-Session ein rentables Coworking-Angebot und eine Heimat für die Allgäuer Gründerszene in Kempten entstehen konnte. In Kooperation mit der Hochschule Kempten hat er die Entwicklung des Geschäftsmodells und den Community-Nutzen der verschiedenen Angebote wissenschaftlich untersucht und dokumentiert. Dadurch hat er ein tiefes Verständnis für die Erfolgsfaktoren erlangt und kann den Mehrwert der verschiedenen Angebote mit Zahlen und Praxisbeispielen präsentieren.

Die Entstehungsgeschichte der Gründervilla ist sehr aufschlussreich, warum sich das Engagement für die Gründerszene lohnt. Eine aktive Gründerszene zählt übrigens zu den besten Demografie-Strategien: Dadurch lässt sich eine Region attraktiv für junge Menschen gestalten und zukunftsfähige Arbeitsplätze entstehen.

Das wichtigste für ein Coworking Angebot ist die Community

Zentral für das Betreiben eines Coworking-Space ist, dass einem Raum Leben eingehaucht wird. Ein Coworking-Space ohne Community ist eine nackte unattraktive Immobilie. Das bedeutet einen nicht unerheblichen Aufwand für die Betreiber von Coworking-Angeboten. Genau darin jedoch liegt der soziale und finanzielle Mehrwert eines Coworking-Angebots gegenüber der Alternative zuhause-am-Schreibtisch-arbeiten.

Feedback der Gründerinitiative Startpunkt 57

Was ist Co-Working? Eine innovative Art des Miteinanders? Ein ungewöhnlicher Rahmen zum Arbeiten? Nur ein Modetrend? Simon Schnetzer von der Gründervilla Kempten hat uns und andere Gäste in Scoutopia vorgestern Abend an seinen Erfahrungen teilhaben lassen, und wir haben gemeinsam die Themenfelder identifiziert, die es zu beleuchten gilt, wenn Co-Working einen Mehrwert für alle Beteiligten in Siegen liefern soll. Wir bleiben an dem Thema auf jeden Fall dran, denn wir haben interessante Menschen kennengelernt, die aus verschiedenen Blickwinkeln auf das Modell „Co-Working“ schauen und motiviert sind, daran weiterzudenken.


Der Referent : Simon Schnetzer & die Gründervilla

Simon Schnetzer ist gebürtiger Allgäuer aus Kempten, hat Volkswirtschaft studiert und war einige Jahre in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit tätig. Ab 2010 hat er in seiner Heimat Kempten die Firma Datajockey – Jugendforschung & Jugendbeteiligung aufgebaut und sich für eine sichtbare und vernetzte Allgäuer Gründerszene engagiert. Seit 2014 betreibt er zusammen mit Thomas Herzhoff die sogenannte Gründervilla, als Coworking-Space, Startup-Hub und Innovationsnetzwerk. Über das vielfältige Veranstaltungsangebot hat es sich die Gründervilla innerhalb von kurzer Zeit über die regionalen Grenzen hinaus als Hotspot der Allgäuer Gründerszene und Kreativwirtschaft etabliert.